Die Gattung Xiphophorus

hat viel mehr zu bieten als den Schwertträger und den Platy

 

Komme ich mit anderen Aquarianern auf meine bevorzugten Arten zu sprechen, ernte ich oft ein mitleidiges Lächeln:"Lebendgebärende und dann auch noch Wildformen?". Trotzdem kann ich mich an diesen Arten noch nach vielen Jahren erfreuen und langweilig sind sie beileibe nicht! Die Gattung Xiphophorus steht mir zur Zeit besonders nahe. Den Schwertträger, Xiphophorus helleri, haben wohl die meisten Aquarianer gepflegt und gezüchtet.Leider lässt die Qualität der in vielen Zoohandlungen erhältlichen Platys X. maculatus oft viel zu wünschen übrig und X variatus ist in der alten Form blau gepunktete Männchen mit herrlicher gelber Rückenflosse und roter Schwanzflosse - nicht mehr aufzutreiben. Warum also nicht mal das Außergewöhnliche ausprobieren? X. cortezi und X. xiphidium boten sich für mich an, da ich beide in einer gut sortierten Zoohandlung erhalten konnte. Beides sind Wildformen und doch haben beide auch von ihrem Aussehen her ihren ganz spezifischen Reiz.

Cortez'Schwerträger,Xiphophoruscortezi

Junges Männchen von Cortez' Schwertträger, Xiphophorus cortezi.

 

Die Männchen von Xiphophorus cortezi wirken besonders durch eine sehr große gepunkteteRückenflosse. Die Körperform ist eher gedrungen' das Schwert der Männchen kurz, meist kürzer als die Schwanzflosse lang ist, und leicht nach oben gebogen. Jungtiere und Weibchen zeigen einen ausgeprägten schwarzen zickzackartigen Längsstreifen. Wie bei allen Xiphophorus-Arten sind dominante Männchen schon an ihrem Aussehen sehr gut zu erkennen. Sie sind eine wahre Augenweide. Ihre Grundfärbung ist silbern mit einem ganz leichten Blauschimmer, dazu tritt das Netzmuster auf den Schuppen sehr deutlich hervor. Solche Männchen zeigen im Gegensatz zu unterlegenen Männchen und Weibchen niemals eine Streifenzeichnung oder ein Längsband.Das Balzverhalten von Xiphophorus cortezi unterscheidet sich deutlich von dem von X. helleri. Die für X. helleri so typische Wiegebalz" konnte ich bisher nie beobachten. Das Männchen sperrt eher das Weibchen oder imponiert parallel. Dabei sind die Geschwindigkeit und der Raumbedarf auch wesentlich geringer als bei X. hellen* Bei meinen X. cortezi treten auch Früh- und ~~ ätmännchen auf, was ich im Wesentlichen an Pier Entwicklung des Schwertes festmachen möchte. Spätmännchen werden größer und bulliger, sind aber selbst dann niemals die dorninanten Tiere. Dominant sind immer die Frühmännchen.

Pflege im Aquarium

Die Pflege von Cortez' Schwertträger, Xiphophorus cortezi, hat sich bei mir als nicht ganz unproblematisch herausgestellt. Die Aggressivität der Männchen hält sich durchaus in Grenzen, so dass man mehrere zusammen halten kann. Eine Aquariengröße von unter 80 cm Kantenlänge würde ich jedoch nicht empfehlen. Größer ist natürlich besser. Ich bevorzuge Standardbecken von 100 x 40 x 40 cm. Sehr wichtig ist eine abwechslungsreiche Gestaltung des Beckens. Pflanzen dürfen nicht fehlen und einige größere Steine, die übereinander aufgeschichtet sind, bieten trächtigen Weibchen zuverlässigen Schutzraum, der auch gerne von ihnen aufgesucht wird.In einem reinen Artbecken waren Cortez' Schwertträger bei mir äußerst scheu, was sich erst durch eine Vergesellschaftung zum Teil beheben ließ. Ich halte sie heute mit halbwüchsigen Ilyodon "xantusi" und Xenoophorus captivus zusammen, was sich sehr gut bewährt hat. Man wird sich jetzt sicher fragen: "Warum ist die Haltung denn nun problematisch?" X. cortezi ist in Bezug auf Wasserhygiene anspruchsvoll! Überbesetzung des Beckens, unterlassener oder zu umfangreicher Wasserwechsel - sofort steigt die Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern. Mir sind einmal sämtliche erwachsenen Tiere an einer Infektion, die zuerst weiße Flecken und dann "Blutergüsse" unter der Haut zeigte, eingegangen. Die Jungfische waren durch eine milde Kur mit Methylenblau zu retten. Konstanz der Aquarienbedingungen ist das A und 0. Eine Schwankung der Temperatur zwischen Tag und Nacht (einfach die Heizung an eine separate Schaltuhr anschließen) ist dagegen sehr förderlich. Bei mir schwanken die Temperaturen saisonal bedingt zwischen 22 und 25 'C im Winter und 24 und 27 'C im Sommer. Eine starke Strömung (mittels Motorpumpe mit mehr als vierfacher Wasserinhalt pro Stunde Umwälzleistung) hatte bei mir keine positive Wirkung. Eine solche starke Strömung wurde von den Xiphophorus cortezi eindeutig gemieden,

Zucht

In der Nachzucht ist Xiphophorus cortezi nicht schwieriger als X, helleri, wenn man von den geringeren Wurfzahlen absieht. Dafür sind die Jungfische größer und bei gleichem Anspruch an die Wasserqualität wie die Erwachsenen einfacher aufzuziehen. Die Jungfische sind bereits im Alter von wenigen Tagen klar als X. cortezi zu identifizieren, da sie bereits dann die Längsbinde zeigen.

Schwertplaty, Xiphophorus xiphidium

Xiphophorus xiphidium wird in der Literatur in verschiedenen Farbschlägen gezeigt. Typisch für den Schwertplaty ist, dass beide Geschlechter einen "Trächtigkeitsfleck" zeigen. Die Herkunft der verschiedenen Stämme wird in der Literatur leider sehr widersprüchlich angegeben, Bei MEYER et al. (1985) wird"mein" Stamm als aus dem Rio Purification in Mexiko stammend genannt und ein anderer Stamm mit großem Schwanzwurzelfleck vom Rio Santa Engracia in Mexiko. Bei BAENSCH & RIEHL (1988) ist es genau umgekehrt. Das sollte uns aber nicht abschrecken, uns näher mit diesem Fisch zu befassen.

Der von mir gepflegte Stamm ist meiner Ansicht nach der farbintensivste. Dominierende Männchen zeigen drei blaue Streifen auf dem Vorderkörper, die mit zunehmendem Alter mehr und mehr zusammenfließen, bis ein fast blauer Vorderkörper entsteht. Das Schwert der Männchen ist nur wenige Millimeter lang und farblos. Von der Körperform ähnelt der Schwertplaty meiner Ansicht am ehesten noch Xiphophorus variatus. In der Literatur (KEMPKES, 1999) werden Stämme mit schwarzer Binde auf dem Schwanzstiel gezeigt, während mein Stamm nur zwei Punkte auf dem oberen und unteren Rand des Schwanzstiels hat. Sind hier schon Kreuzungen mit anderen Xiphophorus vorgenommen worden?

Männchen des Schwertplatys, Xiphophorus xiphidium, mit drei blauen Körperstreifen. 

Denn dieser Doppelfleck ist häufig auch bei X. maculatus anzutreffen. DZWILLO (1961) bildet allerdings "meinen" Stamm als den originalen ab. Der Schwertplaty bleibt kleiner als X. cortezi, ist jedoch wesentlich schwimmaktiver, so dass ich auch für diesen mindestens ein 80-cm-Becken empfehlen möchte. MEYER et al. (1985) empfehlen zwar "Behälter von geringem Ausmaß", dem möchte ich aber nicht zustimmen. Um ungewollte Kreuzungen zu vermeiden, halte ich beide Arten grundsätzlich in unterschiedlichen Becken. Ich habe es jedoch auch schon zusammen versucht, dann zog ich jedoch keine Jungfische auf! Erstaunlich war dabei, dass es immer nur die Männchen von X. xiphidium waren, die versuchten, X. cortezi-Weibchen anzubalzen. Ich konnte niemals feststellen, dass sich die X. cortezi-Männchen etwas aus X. xiphidium-Weibchen"machten"."Chef Weibchen von Xiphophorus xiphidium haben keine blauen Körperstreifen. Bei den Männchen (rechts) verschmelzen sie mit zunehmendem Alter zu einem großen blauen Fleck.im Ring" in diesem gemischten Becken war immer das dominante X. xiphidium-Männchen. Es setzte sich auch gegen die weitaus größeren X. corteziMännchen durch.

Pflege im Aquarium

Die Bedingungen, die ich Xiphophorus xiphidium biete, sind identisch mit den bereits für X. cortezi genannten. Insbesondere was die Temperaturansprüche angeht, ist sich die Literatur wieder überhaupt nicht einig: STALLKNECHT (1989) schreibt "max. 25'C", MEYER et al. (1985) sagen "liebt warmes Wasser von 28'C". Also am besten selbst ausprobieren, die Temperaturen schwanken lassen und ... beobachten, beobachten! Die Futteransprüche beider Arten sind sehr leicht zu erfüllen, was aber nicht zu Eintönigkeit verleiten darf. Ohne Lebend- oder Frostfutter wird man kaum schöne Exemplare heranziehen können.

Zucht

Xiphophorus xiphidium ist in der Nachzucht ebenfalls einfach, die Wurfzahlen überschreiten selten 10. Die Jungen ähneln von der Körperform sehr stark X. variatus, sind aber durch den sich frühzeitig zeigenden Doppelfleck auf der Schwanzwurzel gut zu identifizieren. Mit Artemia-Nauplien sind die Jungfische beider Arten hervorragend aufzuziehen und es ist eine Freude zu sehen, wie zügig sie bei diesem Futter und regelmäßigem Wasserwechsel wachsen. Ich bevorzuge, wenn immer möglich, ein separates 50-Liter-Becken für die Aufzucht eines Wurfes. Das sichert auch ausreichend Platz für 10 bis 20 Jungfische. Nichtsdestotrotz kommen auch in den großen Becken regelmäßig Jungfische hoch, wenngleich das Wachstum hier sehr viel langsamer ist.Meine Empfehlung auch für Nicht-Fans von Lebendgebärenden ist: Halten Sie Ausschau nach diesen Arten, sprechen Sie Ihre Zoohändler an Sie werden es sicher nicht bereuen!

 

Bitte hier klicken...schon geht´s zum Aquaristik-Laden Shop !

Zum Aquaristik-Laden Shop

 

zurück zur Schmökerecke

aus „Das Aquarium“ 3/2002 Seite 66
Mit freundlicher Genehmigung des SCHMETTKAMP Verlags.

©copyrightMR2002